Sag Guten Tag!

Hier könntest du dich kurz vorstellen und erklären, was du tust. Was macht dich besonders, und wie kannst du deinen Kunden helfen? Das muss gar nicht lang sein. Eigentlich ist es sogar eine gute Idee, den Text möglichst kurz zu halten, weil die meisten Leute nicht viel auf Bildschirmen lesen möchten.
Rakete
Ein zur Spitze hin schmaler werdender Zylinder in rot-weißer Ummantelung. Einzig die gleichmäßig verteilten Metallschrauben ragen aus der Oberfläche. Man fragt sich, wie in dem geringen Volumen ein gesamter Passagier platzhaben kann. Vollgetankt und gleichzeitig nicht. Mit dem Verbrauch des Treibstoffs gewinnt man an Höhe. Die Elevation korreliert mit der Leichtigkeit. Der Autopilot übernimmt; manchmal in der Gestalt eines Kinds. Ist die eine Rakete verbraucht, springt man zur nächsten. Die Anzahl obliegt dem Reiseziel. Reicht ein sanfter Flug oder bedarf es der Lichtgeschwindigkeit?
Mit der zunehmenden Flughöhe wechseln die Sphären. Je höher man steigt, desto größer die Widerwärtigkeit. Plötzlich ist die Anziehung fremder Umlaufbahnen immens. Die Kollisionen werden in Kauf genommen. Glücklicherweise rasen sie vorbei, sodass nach dem Flug nur wenig haften bleibt. Mit der Zeit landen sie wieder auf der Erde, manche von ihnen schmerzhaft auf dem eigenen Auge.
Auch die Sprache fliegt mit hinauf; nicht in der Qualität, dafür in der Klarheit, im gewissen Maße einer anderen Wahrheit. In diesen Sphären vermag man zu sagen, was man möchte. Das All überträgt keinen Schall. Das Gesagte kommt nie an; zumindest glaubt man. Die Worte obliegen der Schwerkraft und auf jene, die tiefer verweilen, werden sie fallen.
Die Farben der Welt weichen dem großen Nichts. Was vorher noch eindeutig erfassbar war, zeigt sich nun verzerrt, bis man am Ende in die schwarze Masse blickt. Man dreht seine Runden; alles möchte entfliehen. Der Flug endet und nach einem Blinzeln ist man gelandet. Die Absturzstelle ist weich und doch ist man in alle Richtungen zerschlagen. Es folgt die Realisierung der irreparablen Defekte, die einen plagen. Man sammelt zusammen, was noch übrigbleibt und hofft: Es fehlt kein Teil!
Dyspathie
Die Psyche greift sich eine Zigarette und raucht sie genüsslich, obwohl sie weiß, dass sie ihr nie gutgetan hat. Eine Lunte nach der anderen verlässt die Packung mit den roten Zeichen drauf. Die Ähnlichkeit zu rosa ist zu stark. Mit jedem Atemzug in Zweisamkeit nimmt man sie tiefer in sich auf, bis sie ihre Spuren hinterlassen und alles mit ihrer Scheußlichkeit bedeckt hat. Der Husten wird stärker und das elende Gefühl nimmt überhand, doch zugleich geht es ohne sie nicht weiter. Die Tragödie nimmt ihren Lauf! Vor dem Erstkontakt, als die Lippen dem geschmacklosen Filter noch fremd waren, hatte das Leben bereits stattgefunden. Wahrscheinlich sogar besser ohne ihre rauchenden Schlingen, die im Hals die Luft abschnüren, als zögen sie eine gasförmige Schlaufe zu einem Knoten. Man greift nach ihr, es hört nicht auf. Man denkt, dass sie verbrennt… sie ist unendlich! Einzig ihren Verbrauch nimmt man in sich auf, der die Teergestalt formt, die alles erstickend benetzt.
Es kommt der Punkt, an dem man sagt: „Es reicht! Noch ein Zug und das Selbst entgleist!“ Rauchseile an denen man als Marionette tanzt, sollen keine Zufuhr mehr bekommen. Kalter Entzug, doch die Gedanken gleiten zu ihnen zurück. Wie wär‘s nochmal? Manchmal war’s doch schön. Einmal noch, um der alten Zeiten willen! Doch man widerstrebt, denn der Ekel ist stärker. Es entflammt die schlechte Laune durch ihre Distanz. Kalt und abweisend will man sich ihnen gegenüber verhalten, doch trotzdem treffen sich die Blicke, die sein Innerstes verlocken und ihre Lippen strahlen in verheißungsvoller Manier, sodass die eigenen danach lechzen. Man gibt sich ihnen hin, doch die Stimmung macht einen Steilflug hinab. Was vorher noch schlechter Laune geglichen hat, ist nun ein Konglomerat aus Ekel und Hass. Erneut gab man sich der kurzweiligen Befriedigung hin. Die 10 Minuten des vermeintlichen Genusses, dieses Sandkorn des Lebens, was danach fortwährend kratzt, wirkt zuerst wie ein Schatz, doch nachdem die Euphorie versinkt, offenbart sich ein Meer der Fäulnis, dessen Gestank auf einen einschlägt und damit den Untergang herbeiträgt. Irgendwo schwirren sie weiterhin herum, solange man sie nicht aus seiner Welt verbannt.
Man führt den Tanz in dem Glauben fort, man könne gewinnen, doch der wahrhaftige Erfolg läge darin, der Sache zu entrinnen. Alles, was man sich von ihnen erhofft, zerfällt zu Asche. Man nehme sie heraus und führe sie nie wieder in der Tasche!
Homo incertus
Kleine Schatten von der Gewaltigkeit der Nacht dürstet es nach Erleuchtung, als hätten sie ihr Leben lang gefastet. Das Labyrinth offenbart 5, 27, 131, 4120, 5.129.321 Eingänge und alle wirken verlockend, doch es muss den Richtigen gegeben, alles andere wäre Verschwendung, Verleugnung oder Verblendung. Wer mit dem Irrgarten spielt, reicht der Sackgasse die Hand. Lieber an der Pforte verbleiben? Keinen Schritt gewagt und demnach keiner zu viel! Ein Schubs, ein Ruck, ein Passieren des Windes, wodurch sich der Wartende plötzlich in einem der Gänge befindet. Ob angenehm oder nicht kümmert den Antreibenden nicht. Im Gegensatz zu ihm führt sein Weg zwischen unsichtbaren Zäunen entlang und was sich darin befindet, nimmt er ungewollt mit. Der Angetriebene erkundet den zugewiesenen Pfad und findet entweder Unheil, Glück oder nimmt den Weg zurück, wobei die Blätter der Hecken fortwährend eine Tätowierung davon tragen.
Von oben betrachtet erstreckt sich das Labyrinth kreisrund in polierten Fragmenten. Innerhalb der scharfen Kanten gewähren die Spiegelscheiben eine klare Sicht, doch keines zeigt das gleiche Bild; ein anderer Winkel wechselt die Perspektive. Was ist geschehen? Wieso zerbrach der Spiegel? Als Collage der Charakteristika versucht dieser ein Bild zu erschaffen, doch die Klebespuren zwischen den Rändern ermöglichen dem Betrachter nur Ausschnitte zu erfassen, als wären sie die Barriere, was der Einheit, diesem „Selbst“, im Wege steht und seit der Zusammensetzung den Inhalt quält. Durch die Machart entstehen Zweifel. War der Spiegel je ein Stück? Der klägliche Versuch, aus vielen Einzelheiten ein Ganzes zu erschaffen, in dessen Reflexion man kein Vertrauen steckt. Das große Bild eröffnet keine Tiefe, weil’s sich unter dem Bekannten versteckt.
Unentschlossen, doch auf jede Frage, egal der Substanz, eine Antwort. Mit jeder Erklärung erhalt das Gegenüber Klarheit, nur sich selbst scheint er im Verborgenen zu bleiben, als würden seine Worte nicht in die Welt gelangen, sondern direkt in den Kopf des anderen, als wäre jede Offenbarung telepathisch. Höre er, käme er in den Dialog mit sich selbst, was die Fragmente allmählich verschmelzen lässt.
Homo non dicens
Sucht man den Fehler in seiner Anatomie, durchwühlt man einen Haufen ohne Nadel. Die rosigen Lippen, die halbmondförmig zu den Wangen ziehen, die Zunge, welche sich während der Verbalisierung innerhalb ihres Domizils bewegt und gelegentlich ihren Kopf hinausstreckt und die Stimmbänder, die im Einklang miteinander schwingen, sind alle unschuldig. Anticus und Vocalis spannen in gewohnter Manier. Liegt die Ursache in der Steuerung? Haben Broca, Wernicke oder gar beide ihre Arbeit niedergelegt? Keineswegs! Die Akustik empfindet er weiterhin sinnhaft und produziert kohärente Sprache, die er selbst mit Bedeutung füllt, jedoch verliert sie diese, sobald der Schall den Körper verlässt. Vielmehr wohnt die Ursache in der Kognition, welche im Zwiespalt zwischen sich und ihrem Träger steht. Sie vermag sich anders zu artikulieren, anstatt emotional zu reagieren, nur um sich im Nachhinein selbstüberzeugend zu korrigieren. Unzählige Dinge sollen in die Welt hinaus, doch entweder verlassen sie die fleischliche Barriere nicht oder nur in veränderter Form, alles zur Vermeidung des Zorns, der Missgunst oder der Isolation. Das Gesagte ohne das Sich erspart den Hohn, woran man zerbricht. Doch alles, was dem Quell nicht entspringt, staut sich dort an, bis dieser nichts mehr fassen kann. In einem Schwall bricht es heraus. Mit seiner brachialen Kraft zerstört es alles vor sich Liegende, doch verdient es diese Wut? Letztendlich leidet nicht nur das Individuum, sondern alles Drumherum.
Dieser Zustand bezieht sich keineswegs ausschließlich auf die zurückhaltende Person, nur zeigt sie sich anders in der Extraversion. Hierbei sprudeln die Worte, nur verschleiern sie die tatsächliche Intention und verbergen das Nichts in der Situation. In beiden Versionen mangelt’s an der Aufrichtigkeit zur eigenen Person und den verspürten Emotionen. Egal, ob von außen nach innen oder au contraire, das Gesagte braucht die Sprache der Wahrheit, die in allen Wesen nicht unterschiedlicher erklingen könnte. Wann wird er endlich der Meister seiner Zunge im aufrichtigen Ton? Wann bejaht dieser das Selbst und akzeptiert die Möglichkeit des Hohns?
Etwas mehr
Das gleiche Verfahren wie in jedem Jahr? Diese Sonnenumrundung scheint nur wenige Wochen anzudauern. Von der Distanz zur Nähe und zurück. Von der Unbekanntheit zur Vertrautheit und wieder fremd. Vom allein sein zur Gemeinsamkeit und zum Urzustand. Dieser Zyklus vermag die gleiche Beständigkeit zu haben wie der Tanz zwischen Geburt und Tod, was demnach die Ewigkeit ist. Mit jedem weiteren Durchlauf fragt man sich, was die Lösung dafür sei. Was benötigt man zum Ausbruch; beziehungsweise zum Erhalt des Weges? Je öfter man ihn geht, bemerkt man, wie der Glaube verweht. Wo am Anfang Blumen sprießen und der süße Duft in der Luft klebt, erliegt letztendlich alles dem Verfall. Die Rose verwelkt, der Geruch wird faulig und das Ende des Pfades verbleibt unglaublich. Was eigentlich ein Marathon sein sollte, verkürzt sich zu einem Sprint, an dessen Ziel keiner gewinnt.
Was soll man tun für dieses Etwas mehr; die Übernahme der Gedanken und vor allem des Affekts, der einen im anderen aufleben lässt? Ohne das bleibt es bei einem netten Zeitvertreib. Alle Emotionen in ihrer Tiefe platonischer Natur oder verschwunden, auch wenn die weiterführende Kompatibilität stimmt. Etwas zwickt: ein fieses Stechen im Unbewussten, ein unnötiger Schild, eine rigide Barriere als Schutz vor dem Möglichen, denn es könnte verletzen. Worte verbrennen, Taten erstechen und die Abweisung als größtes Verbrechen. Deswegen lässt man es nicht herein; da besitzt es keine Macht, während als Preis das Verhältnis zum anderen verblasst. Am Anfang fügen sich die Indizien höchstens zu einem Profil, während der Betroffene am Ende klare Parallelen zieht: Die Vergangenheit zog mit, zeigte ihr hässliches Gesicht der Gegenwart und versteckt nun sich in der Zukunft. Wie wehrt man sich? Es wirkt unaufhaltsam und trotz fehlerfreien Handelns scheint es eine göttliche Einmischung zu benötigen. Die Schuld liegt stets außerhalb, aber die große Gemeinsamkeit zwischen all ihnen, ist eine Person. Mangelt es an Charakter, fehlt es an Substanz, mit der man zusammen etwas bauen kann?
Manch einer steckt diesen Verlust in die Poesie und ein anderer in hochtrabende Texte, doch es wird unvermeidbar zirkulieren. Bei der Frage, ob man sich dem öffnet oder verschließt, wiegt eine Antwort schwerer. Verletzlichkeit heißt zu sein, was man ist: menschlich. Daher fällt die Entscheidung leicht. Man sollte nur mit jedem Mal lernen, nicht ohne Kenntnis der Tiefe zu springen.
Das Weh nach der Ferne
Aufbruch
Das Weh nach der Ferne
Tief verwunden liegen meine Wurzeln im heimischen Boden. Von hierher komme ich, hier bin ich gebunden. Meine Krone soll bis gen Himmel ragen und meine Äste die Früchte in die Welt hinaustragen. Doch wie soll man wachsen und gedeihen, wenn man nur an einem Ort verweilt? Muss man mich ausgraben und an andrer Stell‘ verpflanzen, damit ich mich nähren kann, von anderer Menschen Gaben? Muss ich warten, bis die Vögel des Südens mich zu ihrem Heime machen? Ich bin ein Baum; eine Schöpfung von Größe. Ich verlasse den Boden, der mir so viel Liebe schenkte, um zu wandern, von Grenze zu Grenze. Ich will mehr als nur die Früchte, die mir diese Breitengrade gewähren. Ich will alle, die sie mir verwehren! Alt und weise vermag ich zu werden; mit unzähligen Ringen vor meinem End auf Erden. Nach anderer Luft verlangt mein Organismus; nach neuem Wind, obgleich rau oder sanft, in dem meine Blätter wippen.
Es verbleiben all die anderen Bäume dieses Waldes, welche ich so lieb gewonnen habe. Würde meine Abstinenz unseren Bund zerreißen? Sie gaben mir Wärme, letztlich jeden Grund zu bleiben. Doch dies ändert nichts an meinem Verlangen, denn der Weg zurück bleibt. Dadurch ist Heimat definiert: Zu gewohntem Boden zurückkehren und einen Platz zu haben; die Wurzeln stets ein Teil als Ursprung dieser Reise. Sie machten uns stark, egal ob durch Liebe oder Gift. Wohin ich meinen Stamm auch nehme, immer bleiben sie anbei.
Mut, wehe mich hinfort! Zum Verlassen brauche ich dich. Deine Kraft wird meinen Wipfel neu erblühen lassen. Es ist Zeit für mich, an einem andren Orte Fuß zu fassen. Mit der Herkunft im Herzen und den Blick nach vorn werde ich woanders neu geboren.
Aufbruch
Was ist Urlaub, wenn man nicht zurückwill: Eine gescheiterte Flucht aus dem alltäglichen Verdruss? Das Sehnen nach einem besseren Ort, an dem das entzauberte Gewöhnliche erneut an Reiz gewinnt; an dem man nicht unter dem Mantel der Unbekanntheit Individuen trifft, sondern Teil von etwas ist, anstelle eines Bruchstücks, eines Einzelkämpfers, der sich gelegentlich zusammenschließt, nur um letztendlich wieder allein weiterzuziehen. Ist diese Ansicht real oder verengt durch das schmale Fenster des Affekts, welches das Porträt nach einer satten Blumenwiese aussehen lässt und versteckt, dass am Rand die Farbe bereits nachlässt? Wann begännen die Tage denen Zuhause zu gleichen? Wie viel Zeit müsste verstreichen? Nur der Versuch würde diesen Gedanken wahrhaft auf die Probe stellen. Das Gewohnte aufgeben und den Schritt wagen, man könnte zurück, nur damit es möglicherweise der Erwartung entspricht. Was ist diese schon, außer der Hoffnung nach einer günstigen Fügung der Ereignisse, die die Scheinwerfer derart ausrichten, dass ihr Licht stets die gewünschten Stellen beleuchtet? Strahlen sie anders in der Heimat? Mag man ihre Lage, Intensität oder andere Attribute nicht? Als Opfer der Umstände könnte man ihr viele grausame Dinge nachsagen. Sie biete nichts, sie tauge nichts, sie erfülle nicht! Man kann das Zuhause verlassen und die Probleme hinter sich lassen, doch der Fehler liegt darin zu glauben, sie seien keine Kosmopoliten! Am besten können sie’s, wenn man ihre Blicke scheut. Man meidet ihre Augen, da man ihre Seele, ihre beinhaltete Wahrheit, nicht erträgt, als wären sie alle, egal von welcher Größe, Medusen. Zum Preis der Vielfalt beschränkt sich der Visus auf das Feld, was nicht schädlich scheint, ohne die Chance zu erkennen, was womöglich hinter dem Monstrum steckt. Wenn man sich zu linsen traut und die ersten Schrecken verziehen, nimmt es trotzdem nicht das Gefühl der mangelnden Inklusion. Ergibt sich dieses Trugbild aus der gewidmeten Zeit, von der fraglich ist, ob sie unter Normalbedingungen erhalten bleibt? Einige Tätigkeiten würden sie für sich beanspruchen, doch es verbleibt der Rest, bei dem weniger das Was, sondern vermehrt das Wer eine Rolle spielt. Selbst die fahlste Aktivität bekäme in der richtigen Konstellation eine unglaubliche Frische. Welche ist hierfür die Richtige? Es wäre nicht angemessen, sich hierbei auf Charakteristika zu beziehen, da ihre Eignung höchst individuell ist. Vielmehr ermöglicht es das Gefühl der Anziehung, der gleichen Schwingung, was die Synergie eindringen lässt. Meist stimmen die Eigenschaften der Personen überein, doch diese treten erst später ins Bewusstsein, nachdem diese erste unbewusste Verbindung gefestigt und in die Geister gerufen wurde, damit aus diesem Funken ein Feuer entfachen kann, was die Umgebung mit ihrem wohligen, warmen Schleier erfasst.
Doch was passiert, wenn man die Schwelle des Schmerzes überschreitet? Genug Abstand gewonnen, damit die Haut wieder trocken ist und die Distanz den Blick weitet. Die Freude auf Zuhause mit ihren Eigenheiten und Möglichkeiten unter der Führung der eigenen Hand und andere, aber erfreute Gesichter für ähnliche Aktivitäten, jedoch sind die Verhältnisse meistens lichter. Unter vielen allein, dafür bei wenigen vollkommen und man weiß: Diese Bindung hat gewonnen. Am Ende ist’s egal, wie oft man fährt, Hauptsache, man kehrt zurück, denn das ist es wert, auch wenn das Gefühl des Aufbruchs einen zerdrückt.
Wale im Wald
Im bläulich-grauen Schimmer unterhalb der gekrönten Pflanzenriesen regiert die Stille. In der Ferne nur ein leises Knistern. Der Boden obliegt dem zirkulären Verfall der Oberschicht. Alles beginnt sich dem Schlafen zuzuneigen. Kahl und verblichen zeigt sich das Holz und zwischendrin eine graue Gestalt, die in dessen Länge vom Anfang bis zum Ende des Waldes ragen könnte. Das Laub bleibt von ihm unberührt, nicht mal seine Flossen reichen weit genug zum Boden. Geschmeidig gleitet er zwischen den Bäumen entlang, doch das Knacken und Brechen des Holzes strafen ihn einen Lügner. Lediglich der Erkundung dient sein Besuch, doch dieser hinterlässt seine Spuren. Mit seinem Echo unterbricht er den Frieden und alle Bewohner vermöchten zu entfliehen.
Was macht er hier? Verirrte er sich? Verfolgt er ein Ziel? Bliebe er doch bei seinesgleichen, anstatt in fremden Habitaten Unruhe zu verbreiten. Nein, seine Majestät reist, wie es ihm beliebt. Was sind der Boden, die Pflanzen und die anderen Tiere im Vergleich zu ihm? Über die Zeit hinweg erwies er sich als überlegen. Indem er unterhalb der Bäume fliegt, setzt er sich ihre Kronen auf und wenn dabei welche zugrunde gehen, sei es ihm erlaubt. Mit der Rechtfertigung des Fortschritts, des Bedarfs oder der Überlegenheit schreitet der Wal voran. Wären es nur die ersten beiden und würde er ihre Grenzen wahren, könnten sich der Fremde und der Wald vertragen. Doch die Gier in ihm ist stärker als die Vernunft. Das Gebiet ist schwach, es kann sich nicht wehren und die Macht des Eroberers ist verzehrend. Würde er doch bloß erkennen, dass Stärke zum Zwecke der Unterdrückung ihn allein lässt. So schwebt er ohne seinesgleichen und den Bewohnern des Waldes im Gehölz entlang, bis ihm irgendwann alles obliegt und die Sonne auf seinem Rücken brät. Der Wal schaut sich um und sucht vergebens nach Schutz, doch um ihn präsentiert sich die Landschaft des Verlusts.
Beschränkt sich sein Flug nur auf den Wald? Keinesfalls! Die Wüste, das Eis und die Berge haben seinen Schatten bereits gesehen. Es wäre nicht verwunderlich, ihn auf dem Weg vom Mars zum Sirius zu erblicken. Wie weit wird er noch gehen, bis er endlich versteht, dass was war, nie wieder sein wird und er die Kosten dafür trägt?
Der oberste Gerichtshof
In diesem Gerichtssaal wird kein Hammer geschwungen! In einem leeren Raum ist niemand zum Schweigen zu bringen. Selbst hinter den hölzernen Podesten ist die Platzwahl frei. Warum auch herkommen, wenn es viel bequemer geht? Zuhause auf der Couch, in der Bahn oder selbst auf der Toilette. Hier ist jeder Richter, Anwalt und Geschworener. Die Beweise liegen offen, jeder führt sie selbst. Irgendwo gefunden, aus Bildern gezogen oder selbst erfunden. Wo es keinen Schwur zur Wahrheit gibt, kann es keinen Meineid geben. Manchmal genügt eine These und das Urteil ist in Stein gemeißelt. Danach gilt es dieses zu verbreiten und zu verteidigen; als evidente, gar absolute Wahrheit. Oh, dieses Gericht verhandelt schnell. Es kommt, es sieht, es besiegelt!
Was geschieht mit den Verurteilten? Werden Sie ihrer Freiheit entzogen? Gewiss nicht von dieser Instanz. Sanktionen, Boykotte oder verbale Gewalt ereilen den für schuldig Befundenen. Die Judikative bleibt hierbei außen vor. Sie hat ihre eigenen Pläne, falls es ihr Interesse erweckt. Das oberste Gericht tagt zu gern im kleinen Stil. Für die Sünden, die manchmal gar zu menschlich sind; das Individuum betreffend in Dissonanz mit etwas in der Welt. Zum Glück sind alle schuldig. Vor niemanden hält das Gericht zurück. Nur die Zahl der Anwesenden fluktuiert. Nicht jeder ist die volle Aufmerksamkeit wert. Sonst bräche es wegen Überlastung nach wenigen Minuten zusammen.
Oh, schönes Gericht, mit dem Fortschritt wächst auch du. Nur Gott kann richten, aber wenn du es nicht bereits bist, ist der Weg dahin nicht mehr lang. Über einem Heiligen Krieg ohne Bombenkrater und wenig physischer Verluste wirst du schweben und niemals deine Hand erheben. Wie solltest du auch, denn wie immer sind es die Menschen, die dich machen. Beinahe omnipräsent, doch oft in Reichweite ist die nächste Verhandlung greifbar, doch in dessen Tiefe meistens nie begreifbar.
Justitia nahm die Augenbinde ab, sonst sehe sie nicht, was die Bildschirme ihr präsentieren. Geblendet vom Ausschnitt, was man sieht, ist alles, was es dazu gibt, wechselt alles innerhalb eines Augenblicks. Für ein reflektiertes Urteil fehlt die Zeit. Die nächsten Fälle warten bereits.
Das Gefängnis
Ohne Mauern schwebend, vom großen Nichts umgeben. Jeder Einzelne auf Zeit daran gebunden, zum gleichen Schicksal verurteilt. Sie haben nichts verbrochen, doch der Zufall bescherte ihnen das Gefängnis und alle dessen Freiheiten. Dennoch vermöchten viele zu entfliehen. Doch wohin, wenn es außerhalb nichts gibt? Einige zeichnen Bilder sinnlicher Landschaften mit ihren Mündern. Eine Verlockung zur gitterlosen Ewigkeit. Doch diese erklären das Gefängnis als Ort der Bestrafung. Sitze ab und werde frei! Niemals werden sie diese Unterbringung verlassen. Verdammt zur ewigen Begrenztheit.
Die Insassen klagen, doch ihr Gefängnis ist das Beste, was sie haben. Hinter jeder Zelle eine neue Möglichkeit. Sie dürfen selbst wählen und hineingehen. Gefangen ist nur der, der nicht sieht, dass die Türen offenstehen! Schwere Ketten über den Boden ziehend verbleiben sie. Doch wer seine Last weise wählt, merkt, wie leicht er geht. Freie Sklaven und beschränkte Meister zugleich. Dem Unveränderbaren unterworfen, doch im Rest flackert die Flamme der Möglichkeit; beständig wie das Gefängnis und dessen Freiheit in sich. Doch die Fragen nach dem Zweck der Ketten schnürt sich um den Hals und erstickt sie ins Nichts. Schaden ist nicht ihre Intention. Zum Halt dienen sie. Als Schutz vor der überwältigenden Vielfalt dieses Ortes. Dennoch setzen sie nicht fest, sondern weisen Richtung; nicht Prometheus, sondern der König Korinths. Alles hier ist in sich Zweck. Die Gefangenschaft genießen, sie in sich aufnehmen und als Freiheit ausatmen. Das alles steht in ihrer Möglichkeit.
Sind sich die Verurteilten ihrer Lage bewusst? Leider zerstreut der Blick einige in das Äußere, andere zu den Leiden der Ketten. Sie arbeiten, sie schaffen, aber genauso kämpfen sie. Brutale Auseinandersetzungen in den Gemeinschaftsräumen wüten wie Stürme in blinder Rage über die Grundlosigkeit ihrer Inhaftierung. Doch Kampf oder nicht, niemand wird entkommen. Der Ausbruch ins Nichts zieht das Urteil vor. Bedauerlicherweise erkennen sie nicht, dass sich ihre Ketten gleichen und sich bei gemeinsamen Tragen in ein Federkleid verwandeln. Als Aufseher und Insasse zugleich verantworten sie sich.
Das Gefängnis ist alles, was sie haben. Ihr glückliches Befängnis.
Die Zelle
Klein und erdrückend. Verlassen und allein. Welch geplagtes Dasein!
Gehalten wie ein Tier. Nein, ein Tier hät’s noch besser als ich. Dessen Ableben würde man herbeiführen!
Liegend in der Zelle, die alle mein Zimmer nennen. Menschen gehen ein, Menschen gehen aus, nur ich komme nicht heraus. Erhoben vom Erdboden, auf weicher Liege schwebend, bis endlich mein Lebenslicht erlischt. Das Ereignis, vor welchem es die Jugend graust, ist mein einziger Hoffnungsschimmer.
Liegen will ich durchaus. Im Dunkeln und Verborgenen soll mein Leib die weitere Zeit verbringen. Zu Asche will ich werden und so auch meine Qualen. Sand des Lebens fall hinab! Bitte sei geschwind, damit das Vertraute endet und das Unbekannte beginnt.
Neue Segel will ich setzen. Oh Charon, fahr mich auf deinem Kahne ins Elysium. Gedeihen möchte ich dort. Und wenn meine Seele der Tugend nichts wert war, so lass es eben den Tartarus sein. Eine weitaus glückseligere Vorstellung als hier zu verweilen. Die schwache Hülle zum Sterben noch zu stark. Kein Kampf ums Leben, sondern mehr ums Grab. Meine Ketten will ich lösen, doch der Schlüssel ist nicht zur Hand. Gebt ihn mir!
Alle geben vor, sich zu kümmern, jedoch will sich keiner mir erbarmen. Könnt‘ ich es doch nur sagen. Der Körper zu schwach, um drüber zu klagen. Ach wer würde mir’s schon glauben. „Mit dem Alter verlor sie die Vernunft!“, würden sie sagen. „Des Spätherbsts Dame weiß nicht, was sie habe. Lange soll sie leben. Hoch soll sie leben. Hauptsache sie lebe! Sie sind sich ihres Irrtums nicht bewusst. Nicht die Länge, sondern die Farbe ist erhaben; aufgestiegen von den Verschwendern des Daseins.
Die Bühne der Existenz spielt Tragödien. Am Ende zum Sterben verdammt. Dennoch sollte die Handlung tragen. Eine Katastrophe, welche dem Rest des Stückes würdig wird, bevor es sich verirrt.
Reich an Leben war ich einst. Doch nun liege ich verarmt in des Daseins Gosse, in der ich allmählich verrotte. Einer Bettlerin gleiche ich. Mit offenen Händen erbitte ich deine Gnade, oh tüchtiger Schnitter. Entledige mich meiner Ohnmacht!
Der elektrische Stuhl
Dort steht er; in der Ecke des Zimmers. Der stoffbezogene Stuhl vor dem Holzgestell auf glänzendem Laminat mit einem Perserteppich davor thront leblos und dennoch voller Macht. Beim Erblicken durchzieht die Elektrizität bereits den Schädel. Es beginnt mit einem zarten Kribbeln, bis der Strom stärker fließt. Er ist immer frei zum Setzen und unversehrt aufstehen. Am Ende noch erhaben mit einem entfesselten Kopf, den Inhalt pulverisiert, von einem Gefängnis ins andere transferiert. Paradox, aber das Kribbeln verfliegt, sobald die Prozedur beginnt. Betäubt es? Nein, das Gegenteil. In diesem Fall ist er keine grausame Exekutionsmaschinerie, sondern eine Ladestation. Auch die Elektrizität ist im Fluss. Ein Gestell fürs Leben und nicht dessen Ende. Aus dem lebendigen Toten wird der Lebende. Täglich eine Sitzung, bis das Kribbeln verschwindet. Die Zeit wird kommen, diesen Stuhl nicht mehr benutzen zu können. Erst wenn das Durchströmen aufhört, wird es das Ende sein.
Beim Sitzen wird die schwarze Kapuze entfernt. Von wem ist unklar, doch das spielt keine Rolle. Die Welt scheint in einem anderen Licht, als stimuliere die Elektrizität den Sehnerv in genau dem richtigen Maß sowohl reell als auch vor dem geistigen Auge. Ein Impuls besser zu sehen; besser zu verstehen. Auf der Suche nach Neuem brennt jede Sitzung etwas ein.
Wenn die Prozedur bereichernd ist, warum fällt das Platznehmen schwer? Aus Angst, der Stuhl arbeite nicht perfekt? Aus Angst vor dem, was man entdeckt? Wenn man sich nicht setzt, bleibt das Unbekannte im Verborgenen. Unangenehm oder stimulierend entscheidet sich, wie man von ihm spricht. Alles Schöne benötigt eine Perle, selbst wenn sie nur flüssig ist. Der Stuhl erlaubt zu sein, öffnet Grenzen und zeigt hinein. Der Freie schnallt sich ohne Bedenken an ihm fest und verliert die Freiheit dabei nicht, während dem Erstarrten sein Inneres zerfetzt und ihn dadurch nie verlässt.
Der Strand
Im Badeanzug der Neugeborenen
dicht beieinander
Beschriftete Liegeplätze
im Zeichen des Lebens
Als Ruf zur Dringlichkeit
inmitten der Friedlichkeit
Mit jedem Blick,
ein Korn dem Finger entrinnt.
Näher dem End‘
mit jedem Moment
Irgendwann scheint allen
die Sonne auf den Bauch.
Am Strand der Gleichheit
ruhen wir unsere
erschöpften Körper aus
Mit der Familie oder ganz allein
im Angesicht des Sein‘
Das Meer zieht hinein,
gibt nie zurück
In den Weiten verloren,
später nie geboren!
Das Glimmen seiner Zigarette leuchtete als Mittelpunkt zwischen den Grautönen des Parkplatzes und des Himmels auf. Mit jedem Atemzug eine Allegorie der Zeit. Er lehnte an seinem Firmenwagen, während ein anderer Mann auf ihn zukam.
„Hast du deine Badehose eingepackt?“, fragte er.
„Das ist makaber!“, sagte der andere und schüttelte den Kopf.
„In paar Jahren sind das deine Worte.“
Der Rauchende warf seine Zigarette auf den Asphalt, trat sie aus und stieg als Beifahrer ein. Sie fuhren los. Während die Zeit voranschritt, ertönte plötzlich Vamos a la Playa. Von der Ironie des Moments und der Aussage seines Mitfahrers gepackt, stellte er das Radio aus. Das einzig Bunte dieses Tages verschwand. Weiterhin inmitten des Graus trübte seine Sicht immer weiter ein. Mit einer Betätigung des Scheibenwischers ergab sich wieder Klarheit. In wenigen Minuten würden sie ihr Ziel erreichen: den hiesigen Strand.
Sie stellten das Auto auf dem nächsten Bereich der Schwarz-weiß-Mischung ab. Einzig der Sand gab ihnen Kontrast, doch durch das gedämpfte Sonnenlicht verlor er seinen Glanz. Auf einem Abschnitt zwischen stillem Land und peitschender See stand der schwarze Block unpolitischer Natur. Im Zweck vereint warteten sie auf die Sache, die sie hinbrachte. Die drei Männer sollten endlich kommen!
Die Sohlen seiner Lederschuhe knirschten auf dem Asphalt und versanken, als er in die Natur übertrat. Mit dem Gefäß in der Hand schritten sie voran. In den glasigen Blicken des Schwarzen Blocks fixiert, gingen sie auf die See hinzu. Zwischendrin kam ihnen diese entgegen und zog sich anschließend wieder zurück. Im gleichen Rhythmus, als wüsste sie nicht, was sie will. Doch in den Köpfen der Anwesenden herrschte Einigkeit. Die beiden Männer sprachen und wenige Augenblicke später vereinten sie den Dritten mit der Natur.
Das Spiegelkabinett